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Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät

Informationen und Anregungen zur digitalen Lehre

(Arbeitskreis Digitale Lehre der KSBF, Stand: 28.10.2020)


Auf diesen Seiten haben wir Informationen zur digitalen Lehre, Umsetzbarkeit und allgemeine Rahmenempfehlungen zusammengetragen. Bitte beachten Sie, dass die Seiten aktualisiert werden.

1. Aktueller Stand zur Lehre im Wintersemester 2020/2021

Im Sommersemester 2020 haben wir alle kurzfristig neue Erfahrungen in der digitalen Lehre gesammelt. Wir haben uns technisch neu ausgestattet, neue didaktische Formate ausprobiert und uns regelmäßig per Videokonferenz getroffen. Dieses durch Umbrüche geprägte Semester zählte als Experimentalsemester.

Das Wintersemester 2020/21 zählt jetzt wieder voll als Fachsemester. Wir sind routinierter in technischen Abläufen. Wir wissen, dass wir uns gründlicher regenerieren müssen nach der Bildschirmkommunikation und dass Lehre jenseits des Präsenzformats ihre eigenen zeitlichen Effekte entfaltet. Unter dem Eindruck dieser Erfahrungen bekräftigen wir unser Engagement für eine digitale Lehre unter den folgenden Leitlinien.

2. Empfehlungen zur digitalen Lehre an der KSBF

Es ist uns wichtig, dass wir als Lehrende und Studierende gemeinsam Folgendes herstellen:

  • Gemeinschaft (Austauschmöglichkeiten für die Seminarteilnehmer*innen),
  • Zeitliche Struktur (definierte Termine, Fristen etc.),
  • Dialogizität (z.B. Feedbackschleifen, Chat bei synchronen Veranstaltungen, Telefonberatung) und
  • Verbindlichkeit (klar kommunizierte Aufgaben, Erstellung von Beiträgen etc.).

Wenn wir das immer wieder neu schaffen, können wir gemeinsam inhaltliches Wissen erarbeiten. Diese Prinzipien sind in allen Lehrveranstaltungen transparent zu machen.

Im Fokus: Die Erstsemster

Mit Beginn des Wintersemesters 2020/2021 begrüßen wir wieder sehr viele neue Studierende an unserer Fakultät. Auch in Zeiten einer Pandemie liegt ein besonderes Augenmerk darauf, die neuen Studierenden an der Universität willkommen zu heißen und Ihnen den Einstieg ins Studium an der HU so klar und greifbar wie möglich zu gestalten. Da aufgrund der aktuellen Situation der persönliche Kontakt sehr eingeschränkt sein wird, bitten wir Sie vor allem um folgende Dinge:

Zeigen Sie den Studierenden auf, wie die Universität unter "Normalbedingungen" funktioniert. Verweisen Sie auf Gebäude und Räumlichkeiten, damit eine gewisse Bindung an das Institut entsteht.

  • Für viele Studierende wird der Einstieg in Veranstaltungen per Videokonferenz eine Hürde sein. Verweisen Sie auf technischen Support des CMS, weisen Sie sehr deutlich auf notwendige Aspekte der Kommunikation hin und bieten Sie Hilfestellungen, wo es möglich ist. Versuchen Sie eventuell auftretenden Ängsten der Studierenden offen zu begegnen.
  • Gerade für die Erstsemester dieses Wintersemesters wird es wichtig sein, dass Raum und Zeit gegeben wird, um über die Motivation zum Studium und den Besuch der speziellen Lehrveranstaltung zu sprechen.
  • Versuchen Sie in den Lehrveranstaltungen auch Möglichkeiten zu schaffen, damit die Studierenden sich kennenlernen können (Break-Out-Räume etc.).
  • Für die Durchführung von Lehrveranstaltungen für Erstsemester empfehlen wir, Arbeitsaufträge sehr klar zu formulieren und die Wege zur Erfüllung der Arbeitsaufträge transparent aufzuzeigen.
  • Weisen Sie darauf hin, dass Studieren auch sehr viel mit Lesen und der Auseinandersetzung mit Forschungsliteratur zu tun hat. Das Lernen über Lesen ist gerade beim Distanzlernen ein wichtiges Element des Studiums. Versuchen Sie, Foren für den Austausch über wissenschaftliche Texte zu etablieren. Verweisen Sie auf die verschiedenen Zugänge zu Literatur (Online-Angebot; als PDFs im Moodle-Kurs; Seminarapparat im Grimm-Zentrum; Selbstversorgung dort oder in anderen Bibliotheken)
  • Signalisieren Sie, dass von Beginn an ein offenes Feedback und eine Reflexion des kommunikativen Miteinanders höchst wichtig und willkommen sind.    
  • Kommunizieren Sie offen und ehrlich auch klare Grenzen der Distanzlehre.

Inklusive Lehre

Bitte achten Sie bei der Planung und Durchführung digitaler Lehrangebote unbedingt darauf, dass diese inklusiv ausfallen. Erfragen Sie bitte auf eine sensible Art und Weise, ob alle Hörer*innen von Vorlesungen und alle Teilnehmer*innen an Seminaren und Übungen ein internetfähiges mobiles Gerät oder einen PC zu Hause zur Verfügung haben. Sollte dies nicht gegeben sein, überlegen Sie sich mögliche andere Formen, wie die Studierenden an den Lehrveranstaltungen teilnehmen könn(t)en.

Beachten Sie, dass Studierende mit Behinderungen besondere Bedürfnisse in der Darbietung der digitalen Lehrinhalte haben: Achten Sie bei der Erstellung darauf, dass die Audioqualität und Sprachverständlichkeit entsprechend gut sind, verwenden Sie wenn möglich Untertitel für Personen mit Hörbeeinträchtigungen und Farbschemata, die von Menschen mit Sehbeeinträchtigungen gut wahrgenommen werden können (u. a. rot-grün-Sehschwäche etc.).

Es sollte auch bedacht werden, dass sich einige Studierende aus anderen Zeitzonen (Türkei, China, u.a.) zuschalten müssen oder andere Menschen betreuen.

Urheber- und Persönlichkeitsrechte

Eine besondere Herausforderung im Zuge digital angebotener und wahrgenommener Lehrveranstaltungen ist die Wahrung von Urheber- und Persönlichkeitsrechten aller Teilnehmer*innen (Recht am eigenen Bild, Schutz des eigenen Gedankenguts, "Recht auf Vergessen" etc.). Klären Sie unbedingt vorab, ob (Video-, Audio-)Aufnahmen erlaubt sind.

Weisen Sie darauf hin, dass alle zur Verfügung gestellten Medien dem Urheberrecht unterliegen und nur für Studienzwecke gebraucht werden dürfen und nicht weiterverbreitet und an Dritte herausgegeben werden dürfen. Es sollte von den Lehrenden eingangs unmissverständlich kommuniziert werden, dass das unbefugte Mitschneiden der Lehrveranstaltung eine Rechteverletzung darstellt und daher untersagt ist.

Synchrone vs. asynchrone Lehre

Prüfen Sie vorab, ob Ihr Lehrformat als termingebundene Präsenzveranstaltung (synchron) und/oder als aufgezeichnetes Format (asynchron) zur Verfügung gestellt werden kann. Letzteres wird nicht nur Studierende mit häuslicher Kinderbetreuung und mit beruflichen Tätigkeiten in systemrelevanten Berufen interessieren. In der Regel ist die Kombination von synchronen und asynchronen Anteilen sinnvoll.
Aus Sicht der Studierenden haben sich gerade bei der Vermittlung reiner Lehrinhalte, z. B. im Rahmen von Vorlesungen, asynchrone Formate bewährt. Hierbei sollte allerdings auch darauf geachtet werden, die zu vermittelnden Lehrinhalte in kleinere Pakete zu verpacken, z.B. max. 20-minütige Videos, Screencasts oder Podcasts zu erstellen. Reichern Sie die aufgenommenen Sequenzen möglichst mit anderen Medien und Formaten an (kurze Lesetexte, Quizze, Diskussionsforen etc.). Regelmäßige synchrone Termine helfen zur Klärung offener Fragen und Reflexion.

3. Empfehlungen zur praktischen Durchführung von digitalen Lehrformaten

Nachfolgend haben wir einige Empfehlungen zur Durchführung digitaler Lehrformate zusammengestellt. Für den ersten allgemeinen Absatz danken wir besonders Prof. Petra Anders von der Grundschulpädagogik/Deutsch für den Input.

Allgemeine Empfehlungen:

  • das Kick-Off sollte bei Online-Angeboten immer persönlich sein (z. B. kleines Video der Lehrenden)
  • digitale Lehre sollte als ein schöpferisches Erprobungsfeld für Lehrende und Studierende kommuniziert werden, was eine wechselseitige Toleranz und Fehlerkultur voraussetzt
  • Online-Lehre sollte nicht überladen werden (meist ist der Workload viel höher, da dort Links und Texte angeboten werden und die Studierenden dann sehr viel durcharbeiten müssen)
  • die Lehrveranstaltung sollte möglichst wöchentlich erfolgen, damit sich nicht am Ende zu viel Stoff anhäuft
  • Etablierung einer Feedback-Kultur entweder durch die Lehrenden stichprobenartig oder durch die Studierenden untereinander (niemand möchte für den „luftleeren Raum“ produzieren)
  • auf Familienfreundlichkeit ist zu achten (Rücksicht auf Kinderbetreuung, Homeschooling etc.)
  • Versuchen Sie, Austauschmöglichkeiten für Studierende zu schaffen - bspw. durch offene Zoommeetings, offene Sprechstunden nach den Lehrveranstaltungen oder parallele Zoomräume.
  • Weisen Sie die Studierenden darauf hin, dass auch sie selbst über ihre HU-Accounts Zoom, die HU-BOX etc. nutzen können.

Empfehlungen für die Durchführung synchroner Lehrformate:

  • Einstieg in jede synchrone Sitzung mit einer Frage nach technischem Funktionieren (können alle mich hören/sehen, sich äußern?) beginnen; in der ersten Sitzung u. U. auch Abfragen von Zeitzonen/Orten und des Endgerätes/Betriebssystems
  • digitale Lehre hat eine deutlich kürzere Aufmerksamkeitsspanne als analoge Formate. Phasen des Inputs von max. 15-20 Minuten und dialogische Phasen sollten unbedingt einander abwechseln. Ein solcher Duktus sollte durch die Lehrenden und die referierenden Studierenden vorab kommuniziert und auch verbindlich eingehalten werden
  • bei größeren Lehrveranstaltungen ist es wegen des Datenvolumens ratsam, für die Phasen des Inputs von Lehrenden oder referierenden Studierenden die Zuhörenden vorab um das Abschalten ihres Mikrofons zu bitten
  • ggf. Etablierung eines Buddy-Systems von zwei Personen für das gesamte Semester, das der Kommunikation mit dem/der Banknachbar*in entspricht (kleine Rückfragen zu zweit abklären, bevor man in der Gruppe [im Gruppenchat] fragt)
  • anstelle spontaner Gruppen für Gruppenarbeit feste Gruppen für den gesamten Semesterverlauf zusammenstellen, die dann immer gemeinsam Texte erarbeiten und vorstellen, Referate erarbeiten o.ä.
  • im Sinne der aktiven Teilnahme können rotierend Aufgaben wie die Betreuung des Chatboards an einzelne Studierende vergeben werden.
  • verschiedene Lerntypen (visuell, auditiv, kinetisch, haptisch) sollten auch weiterhin aktiviert werden, z.B. durch visuelle Check-ins, Mitbringen von Objekten, Bewegungsaufgaben bei abgeschalteter Kamera, Audio-Inputs und -Aufgaben, z.B. Erstellen von Audio-Essays oder Podcasts.
  • offener Rücklauf sollte am Ende jeder Online-Sitzung abfragen: Was hat gut funktioniert und sollte ausgebaut werden, was ging gar nicht und sollte abgeschafft werden, was war erträglich?

 

Feedback und Kontakt

 

Alle Mitglieder der Fakultät sind herzlich eingeladen, im Arbeitskreis Digitale Lehre der KSBF mitzuarbeiten - Kontaktadresse (auch für Feedback und Vorschläge zu dieser Webseite): kai.kappel[at]culture.hu-berlin.de